






- Gesammelt werden möglichst saubere Kräuter bei trockenem Wetter, und zwar am besten früh morgens (wenn die Pflanzen gleich verwendet werden, darf es auch etwas feuchter sein...).
- NICHT an Straßen oder auf gedüngten Weiden sammeln; auch an Wegrändern sind die Pflanzen oft zu staubig!
- Keine Plastiktüten verwenden, sondern Körbe oder Stoffbeutel, getrennt nach Pflanzenart!
- Besonders für Wildpflanzen gilt: nicht den ganzen Bestand an einer Stelle absensen - immer einige Vertreter stehen lassen, damit auch nächstes Jahr wieder was wächst!
- in der Regel werden übrigens blühende Pflanzen oder welche kurz vor dem Aufblühen gesammelt, da diese den größten Wirkstoffgehalt aufweisen. Wurzeldrogen buddelt man im Herbst aus, weil die Wurzeln dann voll entwickelt sind.
- Wer es etwas hexischer mag, kann auch drauf achten, daß er bei zunehmendem Mond sammelt, weil dann wohl die "Säfte" eher im oberen Pflanzenteil angesiedelt sind...Allerdings wird derjenige bald feststellen, daß die Blütezeit, das trockne Wetter, die eigene Freizeit UND die Mondphase nicht unbedingt oft zusammentreffen...
- Getrocknet werden sollte möglichst schnell, aber auch schonend. Besonders die häufig vorkommenden ätherischen Öle verflüchtigen sich nämlich bei höheren Temperaturen, und damit verflüchtigt sich auch der Wert der Droge!
- Man kann es im Backofen versuchen bei etwa 30-35 (oder auch 40) Grad, sollte sich aber VORHER mittels Thermometer vergewissern, daß die eingestellte Temperatur tatsächlich eintritt (bei uns wurde es nämlich doch heißer...). Besonders für Wurzeln oder dicke Blätter eignet sich diese Methode. Wenn es gleich stark riecht, sollte man die Wärme noch mehr runterfahren. Außerdem sollten die Pflanzen öfter bewegt werden während des Trocknens. Das Ganze dauert etwa 3-6 Stunden. Ich habe damit nicht so gute Erfahrungen gemacht, was wahrscheinlich aber an unserem alten E-Herd liegt und nicht an der Methode an sich.
- Garantiert schonend, aber auch langwieriger (bis 2 Wochen) trocknet man die Pflanzen an einem dunklen, trocknen Ort wie z.B. dem Dachboden oder einer Scheune im Garten, wo am besten auch noch ein leises Lüftchen weht (möglichst NICHT in der Küche, auch wenn es noch so dekorativ ist - die Kochdünste sind dem Trocknen nicht besonders zuträglich!). Man bindet langstielige Kräuter einfach unten zu einem kleinen Sträußen zusammen und hängt sie verkehrt herum an einen Kleiderbügel oder direkt "auf die Leine". Kleinere Kräuter (Thymian, Lavendel) lassen sich gut in kleinen Säckchen aus Gardinentüll trocknen, die man an die Bügel hängt. Genauso gut kann man auch einen Rahmen mit Tüll oder Gaze ("Fliegengitter") bespannen und diesen als Trockengestell benutzen...
- Da es an solchen Orten allerdings auch oft staubig ist, kann man über die Kräuterbündel eine Papiertüte stülpen (in den Tütenboden ein Loch für die Stiele schneiden...).
- Die Kräuter sind trocken, wenn sie bei Berührung knistern und auseinanderbrechen (nicht mehr biegsam!). Auf Schimmel achten! Braune Flecken sind auch schlechte Anzeichen für die Qualität der Droge (zu heiß getrocknet o.ä.) - weg damit!
- Die Aufbewahrung sollte auf jeden Fall lichtgeschützt und trocken erfolgen, z.B. in Blechdosen oder braunen Glasbehältern (wenn farbloses Glas, unbedingt im Schrank). Beschriftung (Pflanzenname, Erntedatum) nicht vergessen!
- Nicht geeignet sind Plastikgefäße, denn einige Inhaltsstoffe der Kräuter können in die Materialien eindringen und umgekehrt können Stoffe aus dem Wandmaterial abgegeben werden.
- Man kann auch Stoffbeutelchen verwenden, die dann aber vor z.B. Nagern sicher gelagert werden müssen ( z.B. aufhängen, aber: nicht in der Küche s.o.)
- Öle und Tinkturen (welch letzteren ich übrigens noch nicht ausprobiert habe, daher findet man sie hier nicht weiter, was eigentlich schade ist, denn oft sind das die effektiveren Rezepturen) gehören auch in kleine Glasfläschchen. Füllt man alles in eine Literflasche ab, verdirbt gleich alles auf einmal, wenn es denn verderben sollte. Besser also, man hat mehrere kleine Behälter...
- Die Drogen halten sich etwa ein bis zwei Jahre. Wenn sie ihren Geruch verlieren (oder einen eigenartigen Geruch bekommen...), braun werden, schimmeln, zu Staub zerfallen oder kleine Käfer sich darin tummeln, dann sollte man sich auch schon früher davon trennen.
- Am einfachsten ist natürlich der Tee aus getrockneten Kräutern als Darreichungsform. Es gibt den "Aufguß" für zartere Drogen (Blätter, Blüten, unverholzte Kräuter...) bzw. besonders auch für Ätherisch-Öl-Drogen, und die "Abkochung" - hauptsächlich für harte Pflanzenteile (Wurzeln, verholzte Drogen, Rinden).
- Aufguß: Die Angaben hier gelten alle für eine Tasse, was wiederum etwa 150-200 ml Wasser entspricht, welches in der Regel KOCHEND auf die Droge gegossen wird. Für eine bessere Auslaugung werden manche Kräuter vorher im Mörser grob zerkleinert. Der Tee zieht dann abgedeckt je nach dem 5-15 Minuten (siehe Pflanzenbeschreibungen) und wird danach durch ein Sieb abgegossen (noch einfacher: gleich im Teefilter aufgießen - garantiert krümelfrei...). Dabei könnte man auch den Rückstand noch auspressen. Der Aufguß wird für Ätherisch-Öl-Drogen wie Pfefferminze, Melisse etc. genutzt.
Das "Teelöffelmaß" ist natürlich sehr ungenau - allein schon die verschiedenen Formen der Löffel, und dann noch der individuelle Touch (jeder versteht unter einem "gehäuften Teelöffel" etwas anderes...). Aber ganz ehrlich - wer wiegt schon für eine Tasse 1 bis 5 Gramm ab?? Außerdem ist sowieso der Wirkstoffgehalt von selbstgesammelten Kräutern in keinster Weise genormt, sodaß Grammangaben für die Droge hinsichtlich des Wirkstoffgehalts auch nicht viel aussagen. Diese Teelöffel-Angaben sind also wirklich nur eine Krücke einfachster Art...Glücklicherweise kommt es meistens erst bei extremer Überdosierung zu Nebenwirkungen. Trotzdem sollten die Angaben natürlich genau befolgt werden!
- Abkochung: Hierbei wird die angegebene Menge Droge mit dem Wasser aufgekocht. Dabei gehen vorallem die Gerbstoffe in Lösung (was übrigens auch bei sehr langem Ziehenlassen beim Aufguß in stärkerem Maße passiert - das kennt ja jeder: schwarzen Tee aufgebrüht, Telefon klingelt, halbe Stunde gequasselt und dabei den Teebeutel vergessen, und dann zieht sich einem die Zunge zur Dörrpflaume zusammen, wenn man den Tee doch noch kostet...).
- Übrigens sollte man die Tees in der Regel als "Kur" anwenden, d.h. mehrmals über den Tag verteilt (z.B. morgens, mittags, abends je eine Tasse) mehrere Tage (oder gar Wochen) lang. Bei Erkältungen z.B. sollte man ja sowieso viel trinken, und das heiße Getränk an sich ist dabei auch meistens eine Wohltat, sodaß gerade hier natürlich mehrere Tassen täglich getrunken werden können.
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Noch einige universelle Tips für den eigenen Garten:
- Kräuter in der Regel gut gießen
- immer schön brav die abgeblühten Blüten etc. entfernen, da es sonst schnell zu einer Überwucherung mit den sehr vermehrungsfreudigen Pflanzen kommt
- das Unkraut jäten nicht vernachlässigen
- im Herbst von den Mehrjährigen (Pfefferminze, Melisse, Salbei...) die Zweige stutzen und später eventuell auch mit Reisig abdecken (aber erst nach den ersten Nachtfrösten, sonst schimmelt es... ).
- von jungen mehrjährigen Pflanzen nicht unbedingt im ersten Jahr gleich was ernten, sondern diese lieber noch in Ruhe lassen
- In den meisten Fällen ist es am günstigsten, die Aussaat in kleinen Anzuchttöpfchen zu Hause zu machen und nicht direkt auf dem Beet. Damit fängt man schon im Februar etwa an und hat dann Ende April meistens kräftige kleine Setzlinge parat.
- Ansonsten gilt: Sich nicht nur auf drittklassige Kräuterhexen wie mich verlassen, sondern vielleicht zur Absicherung ein Buch zu Rate ziehen wie z.B.:
- Dr. Jörg Zittlau/ Apotheker Michael Helfferich: Heilpflanzen unserer Heimat - Gesundheit, Schönheit und Wohlbefinden mit selbst gesammelten Kräutern - Anwendung, Heilwirkung und Rezepte (Ludwig), 240 Seiten (Allgemeines zu chemischen Inhaltsstoffen, dem Sammeln oder dem Garten, der Anwendung, Rezepturen; fast 50 Pflanzen werden überschaubar vorgestellt mit Bild, Sammeltips, medizinischen Anwendungsbereichen und -formen, Infos zu Inhaltsstoffen und teilweise zur Homöopathie; außerdem spezielle Rezepturen (Salben, Öle, Tee, Tinkturen) für etliche typische Leiden der heutigen Gesellschaft - ich finde es gut für Leute, die in die wissenschaftlicheren Bereiche reinschnuppern wollen!
- Patricia S. Michalak: Kräuter leicht anbauen und gesund genießen (Bechtermünz Verlag), 160 Seiten; ausführlicher Teil über allgemeine Kräuterpflege im Garten, das richtige Sammeln etc.; Rezepte für Essige, Öle, Gelee u.ä., auch Duftkissen, Färbereien etc.; im zweiten Teil dann alphabetisches Pflanzenverzeichnis über knapp 100 Kräuter mit Anbauhinweisen und Pflegetips - schönes Buch mit vielen Anregungen (mehr auf den Garten an sich, das Kochen und Basteln ausgerichtet als auf medizinische Aspekte im Vergleich zum obigen Buch)
- Apotheker Mannfried Pahlow: Das große Buch der Heilpflanzen - Gesund durch die Heilkräfte der Natur (Bechtermünz Verlag), 526 Seiten; WIRKLICH GROSS und umfassend!! ein Wahnsinnsbuch über einheimische, fremdländische und altertümliche "Kräuter"; läßt kaum eine Frage offen; pro Pflanze Angaben zur Botanik, Ernte/Aufbereitung, Inhaltsstoffen, Wirkungen/Anwendung, Nebenwirkungen, Homöopathie
Diese Bücher habe ich auch und kann sie daher aus eigener Erfahrung beurteilen.
Noch einige allgemeine Betrachtungen meinerseits zum Thema: Wie schon gesagt, macht es mir persönlich Spaß, die Kräuter selbst anzubauen und zu sammeln, um sie dann bei Gelegenheit (hauptsächlich kleinere alltägliche Leiden wie Erkältungen und Magenverstimmungen o.ä.) anzuwenden. Ich sehe das aber nicht als Ersatz für einen Arztbesuch an, sondern eher als begleitende Maßnahme. Auf jeden Fall muß man zum Arzt, wenn die Erkrankung mit z.B. Fieber einhergeht oder längere Zeit besteht (z.B. Durchfall - nach 3 Tagen spätestens zum Arzt!)!
Anwendung der hier genannten Pflanzen in der beschriebenen Weise auf eigene Gefahr!
Quellennachweis: siehe oben: Pahlow, Michalak, Zittlau/Helfferich; außerdem: Teedrogen und Phytopharmaka, Hrsg. Max Wichtl, WVG mbh Stuttgart, 3. Auflage